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Schreibheft 89, August 2017

Das Schreibheft, 1977 aus einer Schreibwerkstatt der Essener Volkshochschule hervorgegangen, wird seit 1982 von Norbert Wehr in Essen herausgegeben. Es gilt als eine der führenden Literaturzeitschriften im deutschsprachigen Raum.
   Es wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Hermann-Hesse-Preis, dem Alfred-Kerr-Preis, dem Anerkennungspreis zum Kurt-Wolff-Preis und dem Literaturpreis Ruhr. Im Jahr 1998 erschien ein fünfbändiger Reprint im Verlag Zweitausendeins (eine Auszeichnung, die vorher nur Der Fackel von Karl Kraus, der Sammlung von Klaus Mann, Texte und Zeichen von Alfred Andersch, Sinn und Form von Peter Huchel und Akzente von Hans Bender und Michael Krüger zuteil geworden war).
   Das von Norbert Wehr entwickelte redaktionelle Konzept der Zeitschrift besteht darin, einen Gegenstand - sei es ein Autor, ein Buch, eine literarische Gruppe, sei es die Literatur einer Sprache - in Schwerpunkt-Dossiers zu facettieren und möglichst viele O-Töne literarischer, biographischer, übersetzerischer oder wissenschaftlicher Auseinandersetzung zu versammeln.
   Keine Potpourries sollen so entstehen, keine Additionen guter und wichtiger Texte - Anspruch ist vielmehr, ein Gespräch zwischen Schriftstellern, ihren Büchern und Konzepten zu inszenieren sowie geistesverwandtschaftliche Echo-Räume und kommunizierende Röhrensysteme herzustellen.
   Mit diesem Anspruch hat das Schreibheft avancierte Literaturkonzepte in internationalen Literaturen aufzuspüren versucht, das heißt: es hat ausgedehnte Streifzüge durch die Literaturen Frankreichs, US-Amerikas und der ehemaligen Sowjetunion unternommen, hat Dossiers zu einzelnen Autoren zusammengestellt, Louis-Ferdinand Céline zum Beispiel, oder Malcolm Lowry, Hubert Fichte, Danilo Kiš, James Hamilton Paterson, William H. Gass, Birgit Kempker, Richard Powers, Jan Kjaerstad, A.F.TH. van der Heijden, Willem Frederik Hermans, Zygmunt Haupt, Mário de Sá-Carneiro, Daniil Charms, Ghérasim Luca, Helmut Heißenbüttel, Ezra Pound, Hugo Claus, Pier Paolo Pasolini, Robert Duncan, Inger Christensen, Béla Hamvas, Jonas Mekas, Thomas Kling, Charles Olson, Isidore Isou und Charles Reznikoff, hat sich früh für die Literaturen kleiner Länder interessiert (der niederländischen, belgischen, dänischen, norwegischen, der polnischen, kroatischen und serbischen beispielsweise) und hat immer wieder an Autoren erinnert, die an der Schwelle der Moderne standen und wegweisend waren für heute schreibende Schriftsteller.


Ina Hartwig
Bloß keine offenen Türen einrennen
Seit 30 Jahren existiert die entdeckerfreudige Literaturzeitschrift Schreibheft.
Das ist schön und ein Grund, den Herausgeber Norbert Wehr zu treffen
In: Frankfurter Rundschau, 24. April 2007
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Annette Brockhoff
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